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Leichte Sprache: Was ist ein Produktrückruf? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Konsumentenbund/Zentrale AKS/Guido Bockamp   

Logo (inclusion europe): Leichte SpracheAuf dieser Internetseite gibt es viele Texte über „Produktrückrufe“?
Da steht dann z. B. (zum Beispiel), dass man bestimmte Sachen nicht essen soll.
Oder wir schreiben, dass es Problem bei einem Auto gibt.
Aber: was ist ein „Produktrückruf“ eigentlich genau?

Produkte, das sind alle möglichen Sachen, die man kaufen kann.
Zum Beispiel die Lebensmittel im Supermarkt, also Gemüse, Butter Wurst oder Saft.
Viele Produkte kommen aus Fabriken, zum Beispiel Autos, Fernseher oder Computer.

Foto: VW-Werk in Wolfsburg (wikipedia.org, CC: BY-SA, AndreasPraefcke)
Oft kommen heute Lebensmittel auch aus einer Fabrik.
So ist es z.B. bei Brot oder Wurst.
Produkten aus Fabriken werden immer gleich gemacht.
Das heißt z. B. es werden immer dieselben Teile zusammengebaut.
Die Produkte sehen dann oft auch gleich aus.
Das Unternehmen, dem die Fabrik gehört und, das die Sachen baut, nennt man auch „Hersteller“.

Manchmal sind diese Produkte aber schlecht.
Dann macht der Käse vielleicht krank oder der Fernseher kann explodieren.
Weil die Sachen in Fabriken hergestellt werden, haben dann vielleicht alle Sachen denselben Fehler.

Man kann sich das so vor: Bei einem Auto bricht plötzlich das Lenkrad ab.
Das Lenkrad war nämlich nicht gut gebaut.
Das ist sehr gefährlich, weil man dann nicht mehr lenken kann.
So kann ein Unfall passieren.
Wenn das Lenkrad jetzt jedes Mal genauso schlecht gebaut wurde, ist das gefährlich.
Dann brechen vielleicht bald in allen Autos die Lenkräder ab.
So können viele Unfälle passieren und viele Menschen können sich verletzen.

Aber: Wieso passen die Hersteller nicht besser auf?
Die Antwort ist nicht so einfach!

Diese Hersteller sind aber oft an den Problemen gar nicht selber Schuld.
Sie bauen die Teile – zum Beispiel die Lenkräder – nämlich nicht selbst, sondern kaufen sie von anderen.
Die Anderen nennt man dann „Zulieferer“.
Die Hersteller vertrauen darauf, dass der Zulieferer die Lenkräder gut gemacht haben.
Und die „Zulieferer“ kaufen die Teile oft selbst von einem anderen Zulieferer.

Das geht dann zum Beispiel so:
Ein Unternehmen verkauft kleine Kunststoffkugeln an das zweite (die sehen so aus):

Foto: Kunststoffgranulat (wikipedia.org, BY-SA, Sönke Kraft)

Das Zweite macht daraus ein Lenkrad für ein Auto.
Das zweite Unternehmen verkauft das Lenkrad an das dritte Unternehmen.

 Foto: Lenkrad (Wikipedia.org, CC: BY-SA, SamH)

Das dritte Unternehmen baut das Lenkrad in ein Auto ein.
Das dritte Unternehmen verkauft das Auto an ein viertes Unternehmen.

Foto: VW Golf V (wikipedia.org, CC: BY-SA, Stahlkocher)

Das vierte Unternehmen hat ein Autohaus.
Im Autohaus können Verbraucher Autos kaufen.

Weil das eine Unternehmen jeweils etwas an ein anderes Unternehmen gibt, heißt das „Lieferkette“.

Foto: Kette (wikipedia.org, gemeinfrei, Marcel.c)

Weil es solche „Lieferketten“ gibt, können heute so viele Produkte, z. B. Autos, gebaut werden.
Die Unternehmen teilen sich die Arbeit und werden so schneller.
Und weil es so viele Autos gibt, ist der Preis heute so niedrig.
Weil der Preis heute so niedrig ist, können sich ganz viele Menschen ein Auto kaufen.

Früher haben Autos soviel gekostet, wie ein Mensch in seinem ganzen Leben verdient hat.
Heute kosten Sie soviel, wie ein Mensch im einem Jahr verdient.
Dies gilt übrigens auch für andere Sachen, z. B. für Fahrräder oder Computer.

Diese Lieferketten und die Arbeitsteilung sind also eigentlich eine gute Sache.
Sie sorgen dafür, dass mehr Menschen schöne Sachen kaufen können.

Das Problem ist aber:
Wenn eine ganz kleine Sache im Auto schlecht gebaut ist, kann das ganze Auto kaputt gehen.
Und wenn das Auto bei der Fahrt kaputt geht, ist das ja sehr gefährlich.

Also: eigentlich ist es gut, dass ein Unternehmen so viele Autos baut, aber es kann auch sehr gefährlich sein.
Wenn etwas gleichzeitig gut und schlecht ist, ist es ein Problem.

Die Abgeordneten im Europäischen Parlament haben das Problem erkannt.
Abgeordnete sind Männer und Frauen, die die Bürger (also wir alle) zu unsern Vertreter gewählt haben.
Die Abgeordneten vertreten dann die Bürger.
Das ist so wie, wenn jemand sagt:
„Ich möchte heute nicht zum Bäcker gehen.
Würdest Du bitte gehen und mir zwei Brötchen holen.“
Der, der nicht gehen möchte, ist der Bürger.
Der, der zum Bäcker geht, ist sein Vertreter (so wie die Abgeordneten).
Hier sitzen die Abgeordneten des Bundestages zusammen:
Foto: Plenumssitzung des Bundestags (wikipedia.org, gemeinfrei, da Werk der U.S. Bundesregierung)


Weil die Abgeordneten das Volk vertretern spricht man von Volksvertretern.
Man könnte eigentlich aus Bürgervertreter sagen.

Das Haus, wo die Abgeordneten sitzen, heißt „Parlament“.
Dort machen die Abgeordneten die Gesetze.

Wir leben in Europa in demokratischen Ländern.
Desshalb gibt es bei uns viele Parlamente.
Es gibt sogar ziemlich viele Parlamente.

Es gibt für jedes Bundesland einen „Landtag“ (so sieht der in Hessen aus).

Foto: Hessischer Landtag (Quelle: Wikipedia, GNU FDL, Urh: Heidas)

Es gibt für ganz Deutschland den „Bundestag“ in Berlin (so sieht er aus).

Foto: Detuscher Bundestag (Quelle Wikipedia, Lordnikon, gemeinfrei)

Und es gibt das Europäische Parlament in Brüssel und Straßburg (so sieht er aus).

Foto: EU-Parlament in Straßburg (CC: BY-SA; SK Sturm Fan, Wikipedia)

Bei unseren Nachbarstaaten in Europa gibt es auf Parlamenten, aber sie heißen anders:
In Frankreich heißt das Parlament "Nationalversammlung".
In Österreich heißt es "Nationalrat".
Der Name ist eigtlich egal, denn Abgeordnete gibt es aber überall.

Die Abgeordneten haben also das Problem mit den Produkten erkannt und ein Gesetz gemacht.
Weil das Thema für alle Menschen in Europa wichtig ist, haben die Abgeordneten im Europäischen Parlament dieses Gesetz gemacht.
Es gilt also in allen Ländern in der Europäischen Union.

Das Gesetz, das sie gemacht haben, sagt ungefähr Folgendes:
„Ich, das Gesetz, gelte für Unternehmen, die viele gleiche Sachen bauen.
Diese Unternehmen sollten aufpassen, ob es Probleme mit ihren Sachen gibt.
Sie sollen sorgfältig und genau arbeiten.
Wenn es ein Problem gibt, müssen die Unternehmen sofort nachsehen, ob es nur ein Einzelfall war.
Wenn das Problem häufiger passiert ist oder häufiger passieren kann, ist das schlecht.
Die Unternehmen müssen dann eine Produktwarnung aussprechen.“

Falls die Unternehmen ein Problem nicht bemerken, gibt es noch andere, die aufpassen.
Das sind z.B. Behörden oder Verbraucherschützer.
In Deutschland gibt es z.B. die „Stiftung Warentest“.
Wenn Sie hier klicken, kommen Sie zur Internetseite der Stiftung Warentest.

Die „Produktwarnung“ ist als gesetzlich vorgeschrieben.
Aber: wie kommt die Warnung zu den Menschen, die die Sache gekauft haben?
Die Unternehmen haben ja nicht die Adressen von allen Käufern.

Dafür gibt es im Gesetz keine genaue Regel.
Die Produktwarnungen werden daher über die „Medien“ verbreitet.
Die „Medien“, das sind Fernsehen, Radio, Zeitung und das Internet.

Verbraucherschutzeinrichtungen wie wir bekommen die Warnung des Herstellers sehr schnell.
Wir sagen die Warnung dann weiter.
Wir schreiben die Warnung dann z. B. auf unsere Internetseite.
Viele Menschen kommen jeden Tag auf unsere Internetseite und sehen die Warnung.
Diese Menschen sagen die Warnung dann weiter, z. B. ihren Freunden und Verwandten.
Diese Menschen wissen jetzt, dass ein Produkt gefährlich ist, und können sich schützen.
Sie können z.B. ihr Auto in die Werkstatt bringen, bevor es zu einem Unfall kommt.
Oder sie werfen die schlechte Wurst weg, bevor sie krank werden.
Das ist auch ein Grund, warum es Verbraucherschutz heißt: wir schützen die Verbraucher.

Produktwarnungen sind also Warnungen vor schlechten gemachten Produkten.
Auf solche Warnungen sollte man sehr genau achten, damit man nicht krank wird oder sich verletzt.